Alle Wege führen nach Mamming

Der LKW-Durchfahrtsverkehr durch Usterling und Zulling ist ein großes Ärgernis für die Landauer Bürger, die in den beiden Orten wohnen. Soll man deshalb Usterling und Zulling für den LKW-Verkehr sperren? Die Infrastruktur auf der Alternativroute über Mammingerschwaigen wurde mit viel Geld dem steigenden Verkehrsaufkommen angepasst. Trotzdem rollt ein Großteil des Schwerverkehrs, der aus Süden, Norden oder Osten kommt, durch die beiden Orte.

Die Zullinger behaupten - wohl zurecht - dass diese Straße für den LKW-Durchgangsverkehr ungeeignet ist. Schulweg ist es jetzt wohl nicht mehr, durch ein Rückwärts-Fahrmannöver des Schulbusses ist diese Straße kein Weg zur Bushaltestelle mehr.

Die Zullinger behaupten – wohl zurecht – dass diese Straße für den LKW-Durchgangsverkehr ungeeignet ist. Der Belag hat schon erhebliche Gebrauchsspuren. Schulweg ist diese Straße jetzt wohl nicht mehr, durch ein Rückwärts-Fahrmannöver des Schulbusses ist diese Schwerverkehrsstraße ohne Bürgersteig wohl  kein Fußweg zur Bushaltestelle der Grundschüler mehr.

Was würde aber eine solche LKW-Sperrung für Höcking bedeuten? Wie würde der Verkehr sich aus den verschiedenen Richtungen verhalten? Wir haben Routenplaner getestet, haben GPS-basierte Testfahrten gemacht und den Handlungsspielraum der Stadt versucht zu bewerten. Es stellt sich heraus: Die Fragestellung ist komplizierter, als man das auf Anhieb meinen könnte. Landau gefällt mir hat die Situation einmal analysiert.

Ergebnis:

  1. Ein LKW-Durchfahrtsverbot würde den LKW-Verkehr, der aus Süden (Eggenfelden) kommt, entweder durch Niederhöcking und Oberhöcking oder über Fichtheim und Oberhöcking nach Mamming leiten. Die alte B11 ist keine Alternative, die ein Routenplaner in Erwägung ziehen würde.
  2. Der Verkehr, der aus Norden (Straubing) oder Osten (Deggendorf) kommt, fährt am Kürzesten und Schnellsten über die Autobahn. Will der LKW-Fahrer Mautkosten vermeiden, wird er die Route über Usterling wählen, da diese kürzer ist und nur einen kalkulatorischen Zeitverlust von einer Minute verursacht. Im Falle einer LKW-Sperrung für Usterling und Zulling (und Mautvermeidungsstrategie) ist die Route über die alte B11 (Pilsting, Mammingerschwaigen) für alle LKW aus diesen Richtungen die beste Lösung.
  3. Kennt der LKW-Fahrer das Durchfahtsverbot nicht, wird er immer über Höcking fahren, denn steht er erst einmal vor der Abzweigung, ist die Route über Höcking erste Wahl. Erst nachdem ein Lerneffekt eingesetzt hat, würden sich die Alternativrouten durchsetzen.
  4. Die Stadt könnte wahrscheinlich ein LKW-Durchfahrtsverbot für Usterling und Zulling aus rechtlicher Sicht verhängen, da „mautfluchtbedingte veränderte Verkehrsverhältnisse“ dies rechtfertigen würden. Ein entsprechendes Urteil des Bundesverwaltungsgerichtshofes vom 13. März 2008 gäbe einem vermutlich den nötigen Handlungsspielraum.

Um weiter handeln zu können, müsste man die Ursprungs- und Zielorte der LKW kennen, die das Mamminger Gewerbegebiet anfahren. Nur dann kann man wirklich sagen, ob der LKW-Verkehr in Höcking merklich steigen würde. Ein testweises Durchfahrtsverbot müsste mehrere Wochen aufrechterhalten werden, um dies in einem Versuch herauszufinden. Der Durchfahrtsverkehr durch Höcking wäre aber mittelfristig in jedem Fall geringer als der, der heute durch Usterling und Zulling fährt.

 

Diese 90°-Kurve erscheint dem PKW-Fahrer schon reichlich eng. Schwerlich vorstellbar, dass hier jeden Tag dutzende 40-Tonner durchfahren.

Diese 90°-Kurve erscheint dem PKW-Fahrer schon reichlich eng. Schwerlich vorstellbar, dass hier jeden Tag dutzende 40-Tonner durchfahren.

 

Ergebnisse der Routenplaner-Analyse von Landau gefällt mir

Abfahrtsort

Zwischenziele

km

davon
mautpflichtig

Zeit LKW

Mautkosten 40-Tonner

Zeit PKW

Deggendorf

Usterling-Zulling

38,5

27,5

0:40

4,27 €

0:26

Höcking

41,2

27,5

0:47

4,27 €

0:32

Pilsting-Mammingerschwaigen (*)

39,2

22,3

0:47

3,46 €

0:33

A92-Mammingerschwaigen

40,3

32,7

0:39

5,08 €

0:26

Straubing

Usterling-Zulling

33,8

0

0:48

0:30

Höcking

36,5

0

0:54

0:36

Pilsting-Mammingerschwaigen

33,8

0

0:49

0:35

A92-Mammingerschwaigen

36,1

5,2

0:47

0,81 €

0:32

Eggenfelden

Usterling-Zulling

39,8

0

0:54

0:38

Höcking

42,5

0

01:01

0:42

Sommershausen-Weihern

40,6

0

01:02

0:45

Fichtheim-Oberhöcking

40,2

0

01:00

0:44

Harburg-Mammingerschwaigen

45,2

0

01:04

0:43

Testergebnisse für LKW mit einem LKW-Routenplanungstool der PTV Planung Transport Verkehr AG erstellt.

Zeiten für PKW sind Google Maps entnommen.

(*) Fahrzeit ergibt sich für LKW daraus, dass dieser bereits in Wallersdorf West abfahren würde.

 

Testfahrten von „Landau gefällt mir“

Wir haben den Test gemacht und sind die verschiedenen Routenoptionen mit einem PKW BMW 330d mit Automatikgetriebe abgefahren. Dabei nutzten wir ein Garmin GPS-Gerät, um die Fahrten zu dokumentieren. Startpunkt war auf allen Fahrten die Feuerwache Landau, Zielpunkt war der Gasthof Apfelbeck in Mamming. Dabei ergaben sich folgende Ergebnisse:

Landau – Mammingerschwaigen – Mamming Mamming – Usterling – Landau Landau – Usterling – Mamming Mamming – Höcking – Landau
Fahrzeit

11:03

6:57

6:33

8:32

Distanz

11,6 km

7,26 km

7,27 km

8,79 km

Durchschnitts-Geschwindigkeit

63,0 km/h

62,5 km/h

66,6 km/h

61,8 km/h

Durchschnitts-Verbrauch

7,3 l / 100km

7,9 l / 100km

9,0 l / 100km

7,5 l / 100km

Verbrauch abslolut

0,85 l

0,57 l

0,65 l

0,66 l

 

Relative Angaben:

Landau – Mammingerschwaigen – Landau Mamming – Usterling – Landau Landau – Usterling – Mamming Mamming – Höcking – Landau
Fahrzeit

100,00%

62,90%

59,28%

77,22%

Distanz

100,00%

62,59%

62,67%

75,78%

Durchschnitts-Geschwindigkeit

100,00%

99,21%

105,71%

98,10%

Durchschnitts-Verbrauch

100,00%

108,22%

123,29%

102,74%

Verbrauch abslolut

100,00%

67,73%

77,27%

77,85%

Internetlinks für die GPS-Aufzeichnungen

http://connect.garmin.com/activity/290321465

http://connect.garmin.com/activity/290321450

http://connect.garmin.com/activity/290321424

http://connect.garmin.com/activity/290321404

Es bestätigen sich die Routenplanerergebnisse. Usterling-Zulling ist die zeit- und verbrauchsgünstigste Alternative für den PKW-Verkehr.

Wie sich Verbrauch und Zeit für LKW verhalten, müsste in einem Praxistest ermittelt werden

 

15 Gedanken zu “Alle Wege führen nach Mamming

  1. Wir wären voll für die Sperrung der Strecke Usterling-Zulling! Nachts ist es nicht toll wenn man wach wird nur weil zwei LKW´s 30min brauchen um an der Kurve in Usterling aneinander vorbeizukommen. Auch mit den Kindern traut man sich nur noch selten zur Isar runter weil trotz der Kurve die meisten LKW´s ein ziemlich hohes Tempo drauf haben. Natürlich fänden wir es schlecht wenn die Höckinger darunter leiden müssten deshalb wäre von Vorteil wenn im „Mamminger Industriegebiet“ der Verkehr von LKW´s über die „großen“ Straßen(alte B11) geleitet würde.
    Wäre echt super wenn sich da was ändern würde!
    Mit freundlichen Grüßen
    Familie Mitterer

  2. Die Strecke über Zulling-Usterling und umgekehrt ist von der Größe der Strasse her nicht geeignet , schon weil der Unterbau nicht dafür ausgelegt ist .Aber auch der Fahrbahnverlauf und Breite, besonders in den beiden Dörfern sprechen dagegen . Andererseits muß man sagen das durch die landwirtschaftlichen Geräte wie Traktoren und so weiter im nichts nachstehen durch Schwere, Größe und Breite . Ich kann die Anwohner schon verstehen , aber die Lkw-fahrer können nicht anders aus dem Grund der Wirschaftlichkeit , und den großen Druck wo durch Ihre Chefs auf Sie ausgeübt wird .
    Überlegungen :1. Sperrung der Strasse über Zulling-Usterling-Mamming für Lkw´s.
    2.Maut auf dieser Strecke, wenn möglich für Lkw´s. Und das Zweckgebunden das soll Heissen , aus einahmen der Maut diese Strecke aussbauen .
    3.Route über Höcking , aber dafür müßte die Ortsdurchfahrt Oberhöcking „ausgebaut“ werden .(Möchte es aber den Höckingern auch nicht zumuten den wer will schon mehr Verkehr und schon gleich gar nicht Lkw´s).
    P.s. Strasse ins Gerwerbegebiet bauen von der Dgf3 , beginn zwischen Bachhausen-Mamming östlich an Mamming vorbei .
    Alles hat eben seine Vor-u.Nachteile.

  3. Eine Verbotslösung empfehle ich nicht. Ich bin für eine Gebotslösung. Den Bürgern in Zulling muss Sicherheit geboten werden auf ihrer engen Ortsstraßen, vor allem den Schulkindern auf dem Weg zur Bushaltestelle.

    • Nicht nur den Bürgern in Zulling, auch (wie bereits von Familie Fischer angemerkt) den Bürgern von Usterling und den vielen Kirchenbesuchern muss Sicherheit geboten werden. Vom Wachsenden Felsen zur Kirche gibt es keinen Bürgersteig, daher ist der Weg wirklich sehr gefährlich. Dazu kommt, dass die enge Kurve bei der Kirche sehr unübersichtlich ist. Ohne eine Verbotslösung wird sich hier wohl nichts machen lassen, da sich ohne Verbot leider nichts ändern wird.

  4. Es ist sehr schwer geworden in Usterling sich auf der Straße zu bewegen
    ob mit dem Auto oder zu Fuß,ganz zu schweigen sich am Straßenrand wie früher üblich gewesen zu unterhalten.
    Sehr gefährlich ist es natürlich auch für die Kinder zur Bushaltestelle um 7 Uhr
    wenn der LKW verkehr voll im gange ist oder wenn jetzt im Frühjahr wieder
    der Besucheransturm auf unseren Wachsendenfelsen und der Kirche beginnt.
    Die Lebensqualität in Usterling leidet durch den Verkehr sehr.
    Natürlich gibt es keine 100 % Lösung für das Problem aber wir währen auch schon mit einer 50 % igen zufrieden

    mit freundlichen Grüßen
    Fam. Fischer

    • Dem kann ich nur beipflichten, die Lebensqualität in Usterling hat durch den LKW-Verkehr sehr gelitten, nicht nur tagsüber, wenn man draussen im Garten ist und LKW um LKW an einem vorbeidonnert. Es ist auch nicht angenehm, wenn man gegen 4:00 Uhr früh morgens geweckt wird, denn um diese Zeit etwa beginnt der tägliche LKW-Verkehr. Und natürlich geben die LKWs bergauf kurz vor der engen Kurve auch noch richtig Gas !!

  5. Max Meier
    Hallo Zusammen,

    zu Thema Lkw-Verkehr Zulling/Usterling, stehe ich voll für eine Durchgangssperrung, trotz der evtl. leider entstehenden Nachteile für anderer Dörfer, aber dieser Zustand ist absolut nicht tragbar. Als Anhang habe ich noch Bilder von möglichen Verkehrsschildern, für Strassensperrungen wie es z.B. in England od. Österreich geregelt wird, hinzugefügt.

    bis demnächst, Max Meier
    Hallo Zusammen, zu Thema Lkw-Verkehr Zulling/Usterling, stehe ich voll für eine Durchgangssperrung, trotz der evtl. leider entstehenden Nachteile für anderer Dörfer, aber dieser Zustand ist absolut nicht tragbar. Als Anhang habe ich noch Bilder von möglichen Verkehrsschildern, für Straßensperrungen wie es z.B. in England od. Österreich geregelt wird, hinzugefügt. bis demnächst, @[100003569023086:2048:Max Meier]

  6. Es trägt zwar nicht unmittelbar zu einer Lösung bei, aber das ist eine Situation, die wieder einmal typisch für das Vorgehen der Behörden und Politiker ist: da wird ein Flächennutzungsplan erstellt und ein überdimensionales Gewerbegebiet ausgewiesen, das zwar viel Gewerbesteuer in die Gemeindekassen fliessen lässt, aber auch jede Menge Lieferverkehr mit sich bringt. Landratsamt und Gemeinde interessiert das anscheinend herzlich wenig und so werden im Eiltempo Tatsachen geschaffen, mit denen dann alle leben müssen. Hauptsache die Gemeinde hat hohe Einnahmen und kann auf eine gute Haushaltssituation verweisen. Wieso haben die Verkehrsplaner nicht schon damals entsprechende Überlegungen angestellt? Wieso überlässt man es dem LkW-Verkehr, wohin er sich bewegt? Wenn man schon in die Trasse über Mammingerschwaigen so viel investiert hat, wieso trifft man dann nicht schon von Anfang an auch Vorkehrungen, die eine Ausweichroute uninteressant oder gar unmöglich machen? Ich wage zu behaupten, dass sich die jetzige Situation nicht ergeben hätte, wenn einer der Verantwortlichen in einer der in Mitleidenschaft gezogenen Gegenden wohnen würde. So aber bleibt es wieder einmal den Bürgern überlassen, ob sie eine vermeidbare Situation klaglos hinnehmen oder sich eine längst überfällige Lösung selbst einfallen lassen müssen.

    • Hallo Mani,
      das sehe ich ganz ähnlich. Das Problem war absehbar und hätte im Vorhinein mit nur drei Routenplanerabfragen erkannt werden können. Es wurde eine Strecke ausgebaut, die nur von einem Bruchteil des Zielverkehrs genutzt wird.
      Generell finde ich es schon in Ordnung, wenn Gemeinden wie in diesem Fall Mamming Gewerbegebiete ausweisen und damit ihre Einnahmensituation verbessern und damit auch Arbeitsplätze vor Ort sichern und neue schaffen. Aber die Verkehrsplanung ist in diesem Fall nicht durchdacht worden.
      Tobias Beer

  7. Genau, das ist mit einem Mann zu vergleichen, der einen Wasserhahn voll aufdreht und dann erst einen Eimer sucht. Entweder er hat viel vergeudet, oder gar Schaden angerichtet!

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